
Gilera und der Rennsport: Eine
hundertjährige Erfolgsgeschichte
Gilera, eine der ganz grossen Marken im Motorradsektor, wird
2009 hundert Jahre alt. Das schönste Geburtstagsgeschenk für die
traditionsreiche Firma ist wohl der Weltmeistertitel von Marco Simoncelli in der
250ccm-Klasse. Dieser Triumph hebt den Namen von Marco Simoncelli auf dieselbe
Ebene wie jene der legendären Piloten Umberto Masetti, Geoff Duke, Libero
Liberati und Manuel Poggiali. Sie alle hatten einst Gilera zum
Weltmeister-Triumph geführt.
Gilera blickt auf eine aussergewöhnliche Geschichte zurück, die
2009 mit dem Hundertjahrjubiläum gekrönt wird. Die Wurzeln der legendären Marke
liegen in den ersten Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts. Das erste Motorrad mit
dem Namen Gilera, die VT 317, baute Giuseppe Gilera im Jahr 1909. Nach dem
ersten Weltkrieg produzierte Gilera ein 500ccm-Motorrad mit seitlichen Ventilen,
das grosse internationale Rennen gewann. 1936 wurde dann die Rondine, das
sagenhafte Rennmotorrad mit Kompressor und einem Vierzylindermotor mit 500ccm,
gebaut. Sie stellte zahlreiche Weltrekorde auf, so auch 1937 den
Geschwindigkeitsrekord von 274,181 km/h, der während fast zwanzig Jahren
unangetastet blieb. Dorino Serafini eroberte mit der Rondine 1939 den
Europameistertitel.
Nach dem Krieg entpuppte sich die Vierzylinder 500ccm von Gilera
als Herrscherin der Königsklasse bei den Motorradweltmeisterschaften. Mit
Norton, Moto Guzzi und MV Agusta lieferte sie sich epische Duelle und sammelte
zwischen 1950 und 1957 insgesamt sechs Titel. Umberto Masetti wurde 1950 und
1952 Weltmeister. Geoff Duke holte dreimal den Weltmeistertitel und Libero
Liberati krönte sich 1957 mit dem Titel. Dazu gewann Gilera sechs
Weltmeistertitel für die Konstruktion: fünf in der 500ccm-Klasse und einen in
der 350ccm-Klasse. Ausserdem gab es drei Siege bei der Tourist Trophy, sieben
italienische Titel und einen eindrücklichen Sieg mit gleichzeitigem Rekord von
Bruno Francisci beim Rennen Mailand-Taranto. Auch im Offroad-Bereich erzielte
Gilera gute Resultate: an verschiedenen internationalen Sechstage-Rennen, aber
auch bei regulären Rennen.
Gilera startet durch
1969 stiess Gilera zur
Piaggio-Gruppe. Die Rennsportaktivitäten sowie die Förderung von lnnovationen,
wie zum Beispiel die Entwicklung der zukunftsträchtigen 125ccm
Zweizylinder-Cross-Maschine, liess Gilera in der alten Grösse wieder aufleben.
ln den Achtzigerjahren wurde ein neuer Viertakt Einzylindermotor entwickelt -
zuerst bei den 350ccm und den 500ccm-Modellen, später auch in der 600ccm-Klasse.
Am erfolgreichsten war dieser Motor bei der Offroad-Maschine der Serie RC (600
und 750): sie errang zwei Klassensiege im Paris-Dakar-Rennen und einen
Gesamtsieg in der Pharao-Rally.
2001 kehrte Gilera mit der 125ccm-Klasse in die
Weltmeisterschaften zurück. Die Teamleitung übernahm Giampiero Sacchi, Rennpilot
war der junge Manuel Poggiali (Republik San Marino). Mit ihm katapultierte sich
Gilera wieder an die Spitze der 125ccm-Klasse. Am 20. Mai 2001 fuhr Poggiali in
Le Mans beim Grossen Preis von Frankreich als Erster durch das Ziel und brachte
damit Gilera wieder auf das Siegerpodest. Ende Saison durfte er sich Weltmeister
der 125ccm-Klasse nennen. Er schenkte damit Gilera den 13. Titel,44 Jahre nach
jenem von Libero Liberati. Das Jahr 2002 stand ganz im Zeichen der
Titelverteidigung. Poggiali kämpfte bis zum letzten Rennen, musste sich aber mit
dem Vize-Weltmeister begnügen. ln den folgenden Saisons arbeitete Gilera daran,
die Basis für einen Neustart zu legen. 2004 ging Gilera zum ersten Mal seit der
Rückkehr in den Rennsport gleich von Saisonbeginn weg mit zwei Motorrädern ins
Rennen. Gefahren wurden sie von Stefano Perugini und Fabrizio Lai.
Gilera: ein sicherer Wert im Rennsport
2006,
nach der Eingliederung von Aprilia in die Piaggio-Gruppe, kehrte Gilera in die
250ccm-Klasse zurück, mit dem jungen Römer Marco Simoncelli als Fahrer. ln der
Saison 2007 wurden die Anstrengungen in der 250ccm-Klasse verdoppelt und Roberto
Locatelli neben Simoncelli als Fahrer aufgestellt. Bereits 2008 errang Gilera
den ersten Sieg in der 250ccm-Klasse. Marco Simoncelli triumphierte am Grossen
Preis von ltalien in Mugello und wiederholte seinen Erfolg im darauf folgenden
GP von Barcelona. Auch den GP von Deutschland gewann er, ebenso wie die Grossen
Preise von Japan und Australien. So reichte ihm am GP von Malaysia der dritte
platz, um sich Weltmeister der 250ccm-Klasse nennen zu dürfen. Damit holte sich
wieder ein ltaliener mit Gilera den Weltmeistertitel - 51 Jahre nach Libero
Liberati.
Gilera-Erfolge im Rennsport
8 Fahrer-Weltmeistertitel:
1950:
Umberto Masetti, I (500ccm)
1952: Umberto Masetti, I (500ccm)
1953: Geoff
Duke, GB (500ccm)
1954: Geoff Duke, GB (500ccm)
1955: Geoff Duke, GB
(500ccm)
1957: Libero Liberati, I (500ccm)
2001: Manuel Poggiali, RSM
(125ccm)
2008: Marco Simoncelli, I (250ccm)
6
Konstruktions-Weltmeistertitel:
1952-1955: 500ccm
1957: 500ccm
und 350ccm
52 GP-Siege:
500ccm: 35
350ccm:
4
250ccm: 5
125ccm: 8
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